Die Merkmale der Sainihånser Mundart


Zur Einordnung des Sainihånserischen


Das Bild rechts zeigt das Verbreitungsgebiet der bairischen Mundarten. Gelb = Nordbairisch, violett = Mittelbairisch, blau = Südbairisch. (Quelle: Wikipedia)

Das Sainihånserische gehört, so wie die Mundarten des Tiroler Unterlandes und auch des Pinzgaues, zu einem Übergangsgebiet zwischen dem südwestlichen Mittelbairischen und dem Südbairischen, wobei es eindeutig dem Mittelbairischen zugeordnet werden muss. In den Ohren Auswärtiger klingt das Sainihånserische wie eine härtere Variante der Mundarten in Oberbayern, mit denen es ansonsten großteils übereinstimmt. Die Infinitive enden nach n-, ng- und m- auf –a, Beispiele: singa, kéma (singen, kommen). Sonst enden sie auf -n, Beispiele: kaffn, schlôffn (kaufen, schlafen).

Die typischen Laute des Sainihånserischen

Allgemeines Kennzeichen für die mittelbairischen Mundarten ist, dass „p, t, k“ abgeschwächt werden zu „b, d, g.“ Der Tag wird zu Dôg, die Petersilie heißt da Bedasui. Allerdings bleibt im Sainihånserischen das „k“ wie im Südbairischen erhalten. Außerdem kann ein auslautendes -n den vorhergehenden Vokal nasalieren und selbst abfallen, Beispiele: davù, schéè, toà (davon, schön, tun).

Ein typisches Merkmal des Sainihånserischen ist das "ui" - Beispiel: "vui z'vui Gfuih" (viel zu viel Gefühl). Das "ui" wird gleich wie in vielen Mundarten Oberbayerns verwendet, während in den meisten österreichischen Gebieten ein "ü" gesprochen wird. (Beispiel: "spielen" heißt im Brixental "schpün" und im Leukental: "schpuin").

Das in Oberbayern auftretende helle, teils nasale „o“ anstatt der hochdeutschen Silben "ab, an" - z.B.: „ofånga“ für anfangen - wird im Sainihånserischen zum "u", also: ùfånga. "Ich kann" wird zu "i kù", "ich habe es getan" heißt: "i hu 's tu." "Der Mann" ist aber nicht "da Mù" sondern da Månn (eigentlich da Loda, denn die Bezeichnung da Månn wird im Sainihånserischen erst seit jüngerer Zeit verwendet).

Ein besonders typisches Merkmal für das Sainihånserische ist, dass das "r" vor "t, d" und "z" konsonantisch aufgelöst und zu "sch" umgewandelt wird. Schwarz wird zu schwôschz, erst wird zu eascht, Durst zu Duuscht, Wirt zu Wiascht, Karte zu Kåscht, fertig zu féschtig ...

Ebenfalls typisch für das Sainihånserische ist, dass das "l" häufig in einen Vokal umgewandelt wird. Beispiele: Geld wird zu Göid, voll wird zu voi, Milch wird zu Muich, Wald wird zu Wôid.

Das für das Tirolerische typische harte „k“ gibt es auch im Sainihånserischen, während das sonst für das Tirolerische so typische Merkmal, die Aussprache von „st“ im Wortinneren oder Wortende als „scht“ („bischt no bei Troscht?") im Sainihånsersichen nicht vorkommt. Das „sp“ wird aber schon als „schp“ gesprochen, wie es im Mittelbairischen weit verbreitet ist. Beispiel: schpuin (spielen).

Das „ei“ ist als Verkleinerungsform typisch für unsere Gegend, wie bei Dianei, Maisei (Mädchen, Mäuschen), es erscheint aber auch oft als „oa“ - heiß wird zu hoaß, Reise wird zu Roas. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, z.B.: bleibt weiß als weiß bestehen, oder auch bei Scheidl (Scheit) bleibt das "ei" erhalten.

Die Verteilung langer und kurzer Vokale fällt oft völlig anders aus als im Allgemeindeutschen, so dass es manchmal scheint, als wäre jedes entsprechende allgemeindeutsche Wort mit Langvokal kurz und umgekehrt – Beispiel: Biss wird zu Biiß, beten wird zu bettn, laufen wird zu laffn, Batzen wird zu Baaz. Dies stimmt jedoch nicht immer, z.B.: passen heißt auch im Sainihånserischen passn.

 

Übrigens: Woher kommt die Bezeichnung "Sainihåns?"

In mittelalterlichen Urkunden findet sich für den Ortsnamen von St. Johann in Tirol die Schreibweise "Sand Johans." Im Laufe der Jahrhunderte tauchen in der Schreibung mehrere Variationen auf. Immerhin wurde bis ins 19. Jahrhundert meist so geschrieben, wie man geredet hat. So änderte sich die Schreibweise von "Sand Johans" auf "Sanjohans." Aus dem "j" wurde schließlich ein "i", und so entstand aus "Saniohans" die heue noch übliche Bezeichnung "Sainihåns."



Erklärungen zu den einzelnen Lauten

Vokale (Selbstlaute) und Vokalverbindungen

A

1. Das helle "a" - das auch gedehnt vorkommen kann. Beispiel: “Ganggal, waar” (Teufelchen, wäre). Es kommt auch als verkümmertes "a" bei Endungen vor. Beispiel: “Schuasta, Weda” (Schuster, Wetter). Sonderfall: es kommt auch als "r"-Ersatz vor. Beispiel: „wer, mir“ - werden als “weª, miª” ausgesprochen.

2. Das nasale "à" wird immer dann gesprochen, wenn dem "a" ein "m" oder "n" folgt, bzw. folgen sollte, aber mundartlich aufgesogen wurde. Beispiel: naà (nein). Analog werden auch im Hochdeutschen Verbindungen von "a" und "m" bzw. "a" und "n" nasaliert. Beispiel: Finanzamt.

3. Das dunkle "a", das sich in der Aussprache dem hellen "o" annähert und mit "å" geschrieben wird. Beispiele: Årwéssn, tschnåchts (Erbsen, abends). Es klingt ähnlich wie der französische Nasallaut „an“ – vgl. Franc [ frã: ] – wird jedoch nicht nasal sondern wie das norwegische „å“ ausgesprochen. Vergleiche auch weiter unten den Buchstaben "ô", welcher sich vom "å" unterscheidet - Beispiele: håscht (hart im Sinne von anstrengend) und Hôôscht (gefrorener Schnee).


AU

Das "-au" wird im Sainihånserischen gleich wie im Hochdeutschen ausgesprochen. Beispiel: auffè, Sau (hinauf, Sau)


ÄUÈ

Die Lautung "-äuè" wird im Sainihånserischen als eine dunklere Form des "-ei" ausgesprochen und ist eine spezifische Abwandlung des hochdeutschen "-au." Beispiele: Mäuè, fäuè (Maul, faul).


E

1. Das reine, offene "e" wie im Hochdeutschen. Beispiele: Weg, Schnee, See.

2. Das dunkle "e", das sich in der Aussprache einem "ä" annähert. Für dieses "e" verwenden wir kein Sonderzeichen, weil es auch im Hochdeutschen so ausgesprochen wird. Beispiel: Schnegg (Schnecke).

3. Das nasale "è" in der tatsächlichen oder unterdrückten Verbindung mit "m" oder "n". Beispiele: scheè, Krè (schön, Kren).

4. das geschlossene "é", das sich in der Aussprache einem “i" annähert. Beispiele: Bétt, Méttn (Bett, Lärm). Ein Beispiel für den Unterschied zwischen dem reinen "e" und dem geschlossenen "é" wäre: schewan (scheppern) und schéwan (kleine Häufchen aus Heu machen).

EA

Die Lautung "-ea" nähert sich in seiner Sainihånserischen Aussprache einer Verbindung von "-äa" an. Beispiel: ameascht (vorher)

EI

1. Analog zum Hochdeutschen steht das "ei" in Wörtern wie weiß, glei (weiß, gleich). Häufig dient es aber auch zur Abwandlung von "eu." Beispiel: heìt, Leit (heute, Leute). Die Abwandlung von "äu" wird mit "ai" geschrieben. Beispiele: Haisa, Maisei (Häuser, Mäuschen).

2. In der nasalen Form wird das "eì" etwas dunkler als das hochdeutsche, reine "ei" ausgesprochen: Beispiele: seì, heìt (sein, heute).

3. Das "-ei" am Wortende ist eine sprachliche Eigenart des östlichen Tiroler Unterlandes und zeigt immer eine Verkleinerungsform an. Beispiele: Dianei, Végei (Mädchen, Vögelchen).

4. Bei manchen Worten wird das "ei" zu "oa", Beispiele: hoaß, i woaß (heiß, ich weiß).

I

1. Das "i" ist wie das schriftdeutsche "i" auszusprechen, auch wenn es oft für “ü” steht. Beispiele: Kiwè, Sindt, miad, Kiah (Kübel, Sünde, müde, Kühe).

2. Das unbetonte "i" am Wortende bzw. in Endsilben wird eher als unbetontes "e" ausgesprochen und deshalb auch als “è” geschrieben. Beispiele: Scheikè, Öifè, trupfètzn (Joppe, Elf Uhr, tropfen).

IA

Die Vokalverbindung "-ia" klingt ähnlich dem hochdeutschen "-ier" wie etwa bei Stier. Beispiele: Wiascht, adiam (Wirt, manchesmal).

O

1. Das reine "o" ist wie das schriftdeutsche "o" auszusprechen. Beispielr: losn, doscht (hören, dort). Das reine "o" kommt auch in der Verbindung mit "i" als "oi" vor. Beispiele: Hoiz. Koihn (Holz. Kohlen).

2. Das helle "o", das eigentlich ein dunkles "a" ist. Es wird im hochdeutschen Stammwort immer mit "a" geschrieben, im Sainihånserischen jedoch fast als „o“ ausgesprochen, sodaß es hier auch als "ô" geschrieben wird. Beispiele: ôschreim, Bôda (abschreiben, Bader). Das „ô“ wird in der internationalen Lautschrift als [ כ:] geschrieben und ungefähr wie das „a“ in der englischen Silbe „-all“ ausgesprochen – vgl. Baseball [ ‘be:sbכ:l ]. Vergleiche auch weiter oben das "å", das als dunkles "a" ausgesprochen wird.

OA

Das helle "o" in Verbindung mit "a" ist oft eine abgewandelte Ausspracheform eines "ei." Beispiele: Oàsa, moana (Einser, meinen). Die Lautung "oa" nähert sich in ihrer Aussprache allerdings einer Verschmelzung von "å" und "a" an. Beispiele: Koasa, alloa (Kaiser, allein).

OI und ÔI

Die Vokalverbindung "-oi" wird einerseits hell ausgesprochen. Beispiele: Bois, Lois (Weile, Alois), andererseits gibt es auch das "-ôi", das etwas dunkler ausgesprochen wird. Beispiele: bôid, amôi (bald, einmal).

ÔU

Das "-ôu" wird als eine Verschmelzung von "a-o-u" ausgesprochen. Beispiele: Bôukirch, gfrôun (Kirchenempore, gefroren).

Ö

Das "ö" kommt im Sainihånserischen nicht in reiner "ö"-Lautung vor, wie etwa im Schriftdeutschen bei schön, Höhe. Es wird zum "e" bzw. “é” abgewandelt. Beispiele: bled, schéé (blöd, schön).

ÖI

Mit der Buchstabenkombination "-öi" wird eine Verschmelzung von "e-ü” und “ö-i" geschrieben. Sie stellt die Wandlung der hochdeutschen Lautung "-eld" dar. Beispiele: Göid, Wöit, Föid (Geld, Welt, Feld). Das „öi“ wird in der internationalen Lautschrift als [œ] geschrieben und klingt ähnlich wie bei der französische Silbe „-euill“ (Einschmelzung des „l“) – vgl. „Feuilleton." – jedoch wird es nicht nasal ausgesprochen.

U

Das "u" wird immer rein ausgesprochen, auch in den Lautverbindungen "-ua" und "-ui." Beispiele: Kuah, vui, Stuih (Kuh, viel, Stuhl).

Ü

Das "ü" klingt stets nach "i." Beispiele: miassn, Nissei (müssen, Nüßchen).

Sainihånser Doppelvokale und ihre Bedeutung:

"aa", Beispiele: Baam, waar entspricht dem hochdeutschen "au, ä" (Baum, wäre)
"ai", Beispiel: Haisa entspricht "äu" (Häuser)
"ea", Beispiele: Ream, eà, greà entspricht "ie, ih, ü, üh" (Riemen, ihm, grün)
"éé", Beispiele: schéé, déé entspricht "ie, ö" (schön, diese)
"ia", Beispiele: Briaf, miad, friah entspricht "ie, ü, üh" (Brief, müde, früh)
"oa", Beispiele: Loab, hoaß entspricht "ai, ei" (Laib, heiß)
"oi", Beispiele: Hoiz, Woin, Toifè entspricht "ol, ohl, oll, eu" (Holz, Wolle, Teufel)
"ôi", Beispiele: Ôim, Wôih, Tôi entspricht "al, ahl, all" (Alm, Wahl Tal)
"ôu", Beispiele: rôut, Brôut entspricht "o" (rot, Brot)
"öi", Beispiele: Göid, Föid, Wöit entspricht "el, ehl, ähl" (Geld, Feld, Welt)
"ua", Beispiele: zua, Fuada entspricht "u, uh" (zu Futter)
"ui", Beispiele: vui, Schui, Muih entspricht "il, iel, ul, uhl, ull, ül, ühl, üll " (viel, Schule, Mühle)

Konsonanten (Mitlaute)

P,B

1. Rein lautlich vertritt das "b" weitgehend das "p", das heißt: im Sainihånserischen wird eigentlich kein hartes "p" ausgesprochen. Ebenso wird auch "pp" weicher, etwa so wie "bb" gesprochen. Da hartes "p" und weiches "b" somit eigentlich gleich ausgesprochen werden, wird hier großteils die schriftdeutsche Schreibung belassen, um eine bessere Lesbarkeit des Wortes zu erreichen.

2. Das "b" wird im Sainihånserischen oft zu einem "w" erweicht. Beispiele: Kaiwè, Weiwè (Kalb, Weib), dennoch ist dieses "w" in seiner Aussprache dem "b" etwas näher als ein reines "w."

BE

Die hochdeutsche Endung "-be" wird in Sainihånserischen stets zu "-am." Beispiel: Gruam (Grube) und die Silbe "-ben" wandelt sich zu "-ôm." Beispiel: hôm (haben).

CH

Das "ch" wird innerhalb eines Wortes härter als auf Hochdeutsch ausgesprochen, am Wortanfang allerdings wird es zum "k." Beispiel: Christkindl. Die Schreibung bleibt gleich wie im Schriftdeutschen.


D,T

Rein lautlich wird im Sainihånserischen das "t" weitgehend vom "d" vertreten. Das heißt: es gibt eigentlich kein echtes hartes "t." Ebenso wird auch das "tt" weicher ausgesprochen, etwa so wie "dd" oder "dt." Die Schreibweise wird deshalb großteils wie im Schriftdeutschen belassen, um eine bessere Lesbarkeit zu erreichen.

F

Das "f" wird gleich wie im Schriftdeutschen verwendet, jedoch wird das einfache "f" bei einigen Wörtern, bei denen der vorhergehende Vokal im Sainihånserischen kurz ausgesprochen wird, als "ff" geschrieben: Beispiele: laffn, kaffn (laufen, kaufen).

G, K

1. Wie allgemein in den Tiroler Mundarten üblich, wird bei vielen Worten ein hartes "k" ausgesprochen, ebenso wandelt sich manchmal auch das "g" zu einem "k." Beispiele: kring, krôd (gering, gerade).

2. Die Silbe “ge-“ am Wortanfang wird oft als besonders hartes “k” ausgesprochen und deshalb auch mit “kh” geschrieben-. Beispiel: khåckt (gehackt).

3. Die Sonderform "-gn" wird fast immer als "-ng" gesprochen, es verschmilzt also zu einem Doppelkonsonanten, sodass man die Schreibweise "-gn" belassen kann. Beispiele: wirgn, liagn (würgen, lügen). Ähnlich wie im Italienischen – vgl. Lasagne.


H

Das "h" bleibt gleich wie im Hochdeutschen und wird in der Sainihånser Mundartschreibung auch als Dehnungsfaktor "stummes h" verwendet. Beispiel: Huh, Hosbohn (Hahn, Saubohne).

L

Das "l" wird ebenfalls wie im Hochdeutschen gesprochen, falls es überhaupt gesprochen wird, denn sehr oft wird das "l" einfach eingeschmolzen. Dies geschieht bei folgenden Silben:
bei "-al, -aal, -ahl, -all" Beispiele: Wôid, Sôi, môhin, Bôin (Wald, Saal, mahlen, Ball)
bei: "-el, -eel, -ehl, -ell" Beispiele: Göid, Söi, Möi, schnöi (Geld, Seele, Mehl, schnell)
bei: "-il, -iel, -ill" Beispiele: Muich, vui, wui (Milch, viel, will)
bei: "-ol, -ohl, -oll" Beispiele: Goid, woi, voi (Gold, wohl voll)
bei: "öl, -öll" Beispiele: Oi, Hoi (Öl, Hölle)
bei: "-ul, -uhl, -ull" Beispiel: Stui (Stuhl)
bei: "-ül, ühl, üll" Beispiele: Huisn, Muih, fuihn (Hülse, Mühle, füllen)

Q

Das "q" klingt im Sainihanserischen wie "kw", braucht aber nicht so geschrieben zu werden, denn eine “Kwöin” oder ein “Kwadrat” sind in dieser Schreibweise unannehmbar.

R

Das "r" wird von manchen Sainihånsern zwar vorne gerollt, von den meisten aber kehlig gesprochen. Häufig wird das "r" bei einigen Vokalverbindungen eingeebnet und vor "t,d" und "z" zu "sch" umgewandelt.
bei "-rz" wird der Laut zu "-schz" Beispiele: Méschz, Pfuschz (März, Pfurz)
bei "-erl, -erd" zu "-ea." Beispiel: wean (werden).
bei "-art" zu "-ascht" oder "-åscht" Beispiele: Mascht, Gåschtn (Martin, Garten)
bei "-ert" zu "-escht" Beispiel: féschtig (fertig)
bei "-irt" zu "-iascht" Beispiel: Wiascht (Wirt)
bei "-ort" zu "-ouscht" Beispiel: Wouscht (Wort)
bei "-ört" zu "-äscht" Beispiel: Mäschtl (Mörtel)
bei "-öhrl" zu "-eahl" Beispiel: Reahl (Röhrchen)

V

Das "v" wird oft als "f" ausgesprochen, jedoch gibt es gleich wie im Hochdeutschen auch die Aussprache als "w" Beispiel: “Vasn” (Vase) - das entspricht vielleicht dem Bewusstsein, die ursprünglich lateinische oder französische Herkunft des Wortes nicht zu vertuschen.

W

Das "w" ist im Sainihånserischen oft eine Erweichung des "b." Beispiele: Kaiwè, Weiwè (Kalb, Weib), dennoch ist dieses "w" in seiner Aussprache dem "b" etwas näher als ein reines "w", das sonst auch genau wie im Hochdeutschen gesprochen wird.

X

Das "x" ersetzt häufig den Laut "-chs” oder –“chts" Beispiele: Bix, nix, Haxn (Büchse, nichts, Hachsen). Bei "-gs" wird zwar auch ein "x" gesprochen, jedoch behält man hier die dem hochdeutschen angenäherte Schreibweise bei, da "xund, Xöichts oder xechn" (gesund, Geselchtes, gesehen) doch zu radikal wäre.

Z

Das "z" steht oft für "tz" wenn es im Gegensatz zum Hochdeutschen, einem langen statt einem kurzen Vokal folgt. Beispiele: Baaz, Rooz (Batzen, Rotz).

Link zur genaueren Erklärung der Laute

Sonderzeichen

å – ein dunkles „a“ wie in: Båss, Flåsch (Bass, Flasche).

é – ein geschlossenes „e“ wie bei: schéé, Bétt, (schön, Bett).

ô – ein dem „o“ angenähertes „å“, das im allgemeindeutschen Stammwort immer als „a“ geschrieben wird. Beispiele: Hôwan, Bôscht (Hafer, Bart).

à, è, ì, ò, ù – Nasallaute, die durch einen nach links geneigten Akzent gekennzeichnet werden, während die im allgemeindeutschen Stammwort nachfolgenden Buchstaben „m“ und „n“ nicht geschrieben werden. Beispiele: seì, toà, Krèè (sein, tun, Kren).

è – am Wortende und in Endsilben: ein verschlucktes bzw. dumpfes „i“, das dem „e“ näher kommt als dem „i.“ Beispiele: Épfè, trupfètzn, (Apfel, tropfen).

öi – eine Verschmelzung von „ö-i“ bzw. „e-ü.“ Es handelt sich um eine lautliche Umwandlung der hochdeutschen Silbe „-eld.“ Beispiele: Göid, Föid (Geld, Feld).

Die Merkmale der Sainihånser Mundart


Zur Einordnung des Sainihånserischen


Das Bild rechts zeigt das Verbreitungsgebiet der bairischen Mundarten. Gelb = Nordbairisch, violett = Mittelbairisch, blau = Südbairisch. (Quelle: Wikipedia)

Das Sainihånserische gehört, so wie die Mundarten des Tiroler Unterlandes und auch des Pinzgaues, zu einem Übergangsgebiet zwischen dem südwestlichen Mittelbairischen und dem Südbairischen, wobei es eindeutig dem Mittelbairischen zugeordnet werden muss. In den Ohren Auswärtiger klingt das Sainihånserische wie eine härtere Variante der Mundarten in Oberbayern, mit denen es ansonsten großteils übereinstimmt. Die Infinitive enden nach n-, ng- und m- auf –a, Beispiele: singa, kéma (singen, kommen). Sonst enden sie auf -n, Beispiele: kaffn, schlôffn (kaufen, schlafen).

Die typischen Laute des Sainihånserischen

Allgemeines Kennzeichen für die mittelbairischen Mundarten ist, dass „p, t, k“ abgeschwächt werden zu „b, d, g.“ Der Tag wird zu Dôg, die Petersilie heißt da Bedasui. Allerdings bleibt im Sainihånserischen das „k“ wie im Südbairischen erhalten. Außerdem kann ein auslautendes -n den vorhergehenden Vokal nasalieren und selbst abfallen, Beispiele: davù, schéè, toà (davon, schön, tun).

Ein typisches Merkmal des Sainihånserischen ist das "ui" - Beispiel: "vui z'vui Gfuih" (viel zu viel Gefühl). Das "ui" wird gleich wie in vielen Mundarten Oberbayerns verwendet, während in den meisten österreichischen Gebieten ein "ü" gesprochen wird. (Beispiel: "spielen" heißt im Brixental "schpün" und im Leukental: "schpuin").

Das in Oberbayern auftretende helle, teils nasale „o“ anstatt der hochdeutschen Silben "ab, an" - z.B.: „ofånga“ für anfangen - wird im Sainihånserischen zum "u", also: ùfånga. "Ich kann" wird zu "i kù", "ich habe es getan" heißt: "i hu 's tu." "Der Mann" ist aber nicht "da Mù" sondern da Månn (eigentlich da Loda, denn die Bezeichnung da Månn wird im Sainihånserischen erst seit jüngerer Zeit verwendet).

Ein besonders typisches Merkmal für das Sainihånserische ist, dass das "r" vor "t, d" und "z" konsonantisch aufgelöst und zu "sch" umgewandelt wird. Schwarz wird zu schwôschz, erst wird zu eascht, Durst zu Duuscht, Wirt zu Wiascht, Karte zu Kåscht, fertig zu féschtig ...

Ebenfalls typisch für das Sainihånserische ist, dass das "l" häufig in einen Vokal umgewandelt wird. Beispiele: Geld wird zu Göid, voll wird zu voi, Milch wird zu Muich, Wald wird zu Wôid.

Das für das Tirolerische typische harte „k“ gibt es auch im Sainihånserischen, während das sonst für das Tirolerische so typische Merkmal, die Aussprache von „st“ im Wortinneren oder Wortende als „scht“ („bischt no bei Troscht?") im Sainihånsersichen nicht vorkommt. Das „sp“ wird aber schon als „schp“ gesprochen, wie es im Mittelbairischen weit verbreitet ist. Beispiel: schpuin (spielen).

Das „ei“ ist als Verkleinerungsform typisch für unsere Gegend, wie bei Dianei, Maisei (Mädchen, Mäuschen), es erscheint aber auch oft als „oa“ - heiß wird zu hoaß, Reise wird zu Roas. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, z.B.: bleibt weiß als weiß bestehen, oder auch bei Scheidl (Scheit) bleibt das "ei" erhalten.

Die Verteilung langer und kurzer Vokale fällt oft völlig anders aus als im Allgemeindeutschen, so dass es manchmal scheint, als wäre jedes entsprechende allgemeindeutsche Wort mit Langvokal kurz und umgekehrt – Beispiel: Biss wird zu Biiß, beten wird zu bettn, laufen wird zu laffn, Batzen wird zu Baaz. Dies stimmt jedoch nicht immer, z.B.: passen heißt auch im Sainihånserischen passn.

 

Übrigens: Woher kommt die Bezeichnung "Sainihåns?"

In mittelalterlichen Urkunden findet sich für den Ortsnamen von St. Johann in Tirol die Schreibweise "Sand Johans." Im Laufe der Jahrhunderte tauchen in der Schreibung mehrere Variationen auf. Immerhin wurde bis ins 19. Jahrhundert meist so geschrieben, wie man geredet hat. So änderte sich die Schreibweise von "Sand Johans" auf "Sanjohans." Aus dem "j" wurde schließlich ein "i", und so entstand aus "Saniohans" die heue noch übliche Bezeichnung "Sainihåns."



Erklärungen zu den einzelnen Lauten

Vokale (Selbstlaute) und Vokalverbindungen

A

1. Das helle "a" - das auch gedehnt vorkommen kann. Beispiel: “Ganggal, waar” (Teufelchen, wäre). Es kommt auch als verkümmertes "a" bei Endungen vor. Beispiel: “Schuasta, Weda” (Schuster, Wetter). Sonderfall: es kommt auch als "r"-Ersatz vor. Beispiel: „wer, mir“ - werden als “weª, miª” ausgesprochen.

2. Das nasale "à" wird immer dann gesprochen, wenn dem "a" ein "m" oder "n" folgt, bzw. folgen sollte, aber mundartlich aufgesogen wurde. Beispiel: naà (nein). Analog werden auch im Hochdeutschen Verbindungen von "a" und "m" bzw. "a" und "n" nasaliert. Beispiel: Finanzamt.

3. Das dunkle "a", das sich in der Aussprache dem hellen "o" annähert und mit "å" geschrieben wird. Beispiele: Årwéssn, tschnåchts (Erbsen, abends). Es klingt ähnlich wie der französische Nasallaut „an“ – vgl. Franc [ frã: ] – wird jedoch nicht nasal sondern wie das norwegische „å“ ausgesprochen. Vergleiche auch weiter unten den Buchstaben "ô", welcher sich vom "å" unterscheidet - Beispiele: håscht (hart im Sinne von anstrengend) und Hôôscht (gefrorener Schnee).


AU

Das "-au" wird im Sainihånserischen gleich wie im Hochdeutschen ausgesprochen. Beispiel: auffè, Sau (hinauf, Sau)


ÄUÈ

Die Lautung "-äuè" wird im Sainihånserischen als eine dunklere Form des "-ei" ausgesprochen und ist eine spezifische Abwandlung des hochdeutschen "-au." Beispiele: Mäuè, fäuè (Maul, faul).


E

1. Das reine, offene "e" wie im Hochdeutschen. Beispiele: Weg, Schnee, See.

2. Das dunkle "e", das sich in der Aussprache einem "ä" annähert. Für dieses "e" verwenden wir kein Sonderzeichen, weil es auch im Hochdeutschen so ausgesprochen wird. Beispiel: Schnegg (Schnecke).

3. Das nasale "è" in der tatsächlichen oder unterdrückten Verbindung mit "m" oder "n". Beispiele: scheè, Krè (schön, Kren).

4. das geschlossene "é", das sich in der Aussprache einem “i" annähert. Beispiele: Bétt, Méttn (Bett, Lärm). Ein Beispiel für den Unterschied zwischen dem reinen "e" und dem geschlossenen "é" wäre: schewan (scheppern) und schéwan (kleine Häufchen aus Heu machen).

EA

Die Lautung "-ea" nähert sich in seiner Sainihånserischen Aussprache einer Verbindung von "-äa" an. Beispiel: ameascht (vorher)

EI

1. Analog zum Hochdeutschen steht das "ei" in Wörtern wie weiß, glei (weiß, gleich). Häufig dient es aber auch zur Abwandlung von "eu." Beispiel: heìt, Leit (heute, Leute). Die Abwandlung von "äu" wird mit "ai" geschrieben. Beispiele: Haisa, Maisei (Häuser, Mäuschen).

2. In der nasalen Form wird das "eì" etwas dunkler als das hochdeutsche, reine "ei" ausgesprochen: Beispiele: seì, heìt (sein, heute).

3. Das "-ei" am Wortende ist eine sprachliche Eigenart des östlichen Tiroler Unterlandes und zeigt immer eine Verkleinerungsform an. Beispiele: Dianei, Végei (Mädchen, Vögelchen).

4. Bei manchen Worten wird das "ei" zu "oa", Beispiele: hoaß, i woaß (heiß, ich weiß).

I

1. Das "i" ist wie das schriftdeutsche "i" auszusprechen, auch wenn es oft für “ü” steht. Beispiele: Kiwè, Sindt, miad, Kiah (Kübel, Sünde, müde, Kühe).

2. Das unbetonte "i" am Wortende bzw. in Endsilben wird eher als unbetontes "e" ausgesprochen und deshalb auch als “è” geschrieben. Beispiele: Scheikè, Öifè, trupfètzn (Joppe, Elf Uhr, tropfen).

IA

Die Vokalverbindung "-ia" klingt ähnlich dem hochdeutschen "-ier" wie etwa bei Stier. Beispiele: Wiascht, adiam (Wirt, manchesmal).

O

1. Das reine "o" ist wie das schriftdeutsche "o" auszusprechen. Beispielr: losn, doscht (hören, dort). Das reine "o" kommt auch in der Verbindung mit "i" als "oi" vor. Beispiele: Hoiz. Koihn (Holz. Kohlen).

2. Das helle "o", das eigentlich ein dunkles "a" ist. Es wird im hochdeutschen Stammwort immer mit "a" geschrieben, im Sainihånserischen jedoch fast als „o“ ausgesprochen, sodaß es hier auch als "ô" geschrieben wird. Beispiele: ôschreim, Bôda (abschreiben, Bader). Das „ô“ wird in der internationalen Lautschrift als [ כ:] geschrieben und ungefähr wie das „a“ in der englischen Silbe „-all“ ausgesprochen – vgl. Baseball [ ‘be:sbכ:l ]. Vergleiche auch weiter oben das "å", das als dunkles "a" ausgesprochen wird.

OA

Das helle "o" in Verbindung mit "a" ist oft eine abgewandelte Ausspracheform eines "ei." Beispiele: Oàsa, moana (Einser, meinen). Die Lautung "oa" nähert sich in ihrer Aussprache allerdings einer Verschmelzung von "å" und "a" an. Beispiele: Koasa, alloa (Kaiser, allein).

OI und ÔI

Die Vokalverbindung "-oi" wird einerseits hell ausgesprochen. Beispiele: Bois, Lois (Weile, Alois), andererseits gibt es auch das "-ôi", das etwas dunkler ausgesprochen wird. Beispiele: bôid, amôi (bald, einmal).

ÔU

Das "-ôu" wird als eine Verschmelzung von "a-o-u" ausgesprochen. Beispiele: Bôukirch, gfrôun (Kirchenempore, gefroren).

Ö

Das "ö" kommt im Sainihånserischen nicht in reiner "ö"-Lautung vor, wie etwa im Schriftdeutschen bei schön, Höhe. Es wird zum "e" bzw. “é” abgewandelt. Beispiele: bled, schéé (blöd, schön).

ÖI

Mit der Buchstabenkombination "-öi" wird eine Verschmelzung von "e-ü” und “ö-i" geschrieben. Sie stellt die Wandlung der hochdeutschen Lautung "-eld" dar. Beispiele: Göid, Wöit, Föid (Geld, Welt, Feld). Das „öi“ wird in der internationalen Lautschrift als [œ] geschrieben und klingt ähnlich wie bei der französische Silbe „-euill“ (Einschmelzung des „l“) – vgl. „Feuilleton." – jedoch wird es nicht nasal ausgesprochen.

U

Das "u" wird immer rein ausgesprochen, auch in den Lautverbindungen "-ua" und "-ui." Beispiele: Kuah, vui, Stuih (Kuh, viel, Stuhl).

Ü

Das "ü" klingt stets nach "i." Beispiele: miassn, Nissei (müssen, Nüßchen).

Sainihånser Doppelvokale und ihre Bedeutung:

"aa", Beispiele: Baam, waar entspricht dem hochdeutschen "au, ä" (Baum, wäre)
"ai", Beispiel: Haisa entspricht "äu" (Häuser)
"ea", Beispiele: Ream, eà, greà entspricht "ie, ih, ü, üh" (Riemen, ihm, grün)
"éé", Beispiele: schéé, déé entspricht "ie, ö" (schön, diese)
"ia", Beispiele: Briaf, miad, friah entspricht "ie, ü, üh" (Brief, müde, früh)
"oa", Beispiele: Loab, hoaß entspricht "ai, ei" (Laib, heiß)
"oi", Beispiele: Hoiz, Woin, Toifè entspricht "ol, ohl, oll, eu" (Holz, Wolle, Teufel)
"ôi", Beispiele: Ôim, Wôih, Tôi entspricht "al, ahl, all" (Alm, Wahl Tal)
"ôu", Beispiele: rôut, Brôut entspricht "o" (rot, Brot)
"öi", Beispiele: Göid, Föid, Wöit entspricht "el, ehl, ähl" (Geld, Feld, Welt)
"ua", Beispiele: zua, Fuada entspricht "u, uh" (zu Futter)
"ui", Beispiele: vui, Schui, Muih entspricht "il, iel, ul, uhl, ull, ül, ühl, üll " (viel, Schule, Mühle)

Konsonanten (Mitlaute)

P,B

1. Rein lautlich vertritt das "b" weitgehend das "p", das heißt: im Sainihånserischen wird eigentlich kein hartes "p" ausgesprochen. Ebenso wird auch "pp" weicher, etwa so wie "bb" gesprochen. Da hartes "p" und weiches "b" somit eigentlich gleich ausgesprochen werden, wird hier großteils die schriftdeutsche Schreibung belassen, um eine bessere Lesbarkeit des Wortes zu erreichen.

2. Das "b" wird im Sainihånserischen oft zu einem "w" erweicht. Beispiele: Kaiwè, Weiwè (Kalb, Weib), dennoch ist dieses "w" in seiner Aussprache dem "b" etwas näher als ein reines "w."

BE

Die hochdeutsche Endung "-be" wird in Sainihånserischen stets zu "-am." Beispiel: Gruam (Grube) und die Silbe "-ben" wandelt sich zu "-ôm." Beispiel: hôm (haben).

CH

Das "ch" wird innerhalb eines Wortes härter als auf Hochdeutsch ausgesprochen, am Wortanfang allerdings wird es zum "k." Beispiel: Christkindl. Die Schreibung bleibt gleich wie im Schriftdeutschen.


D,T

Rein lautlich wird im Sainihånserischen das "t" weitgehend vom "d" vertreten. Das heißt: es gibt eigentlich kein echtes hartes "t." Ebenso wird auch das "tt" weicher ausgesprochen, etwa so wie "dd" oder "dt." Die Schreibweise wird deshalb großteils wie im Schriftdeutschen belassen, um eine bessere Lesbarkeit zu erreichen.

F

Das "f" wird gleich wie im Schriftdeutschen verwendet, jedoch wird das einfache "f" bei einigen Wörtern, bei denen der vorhergehende Vokal im Sainihånserischen kurz ausgesprochen wird, als "ff" geschrieben: Beispiele: laffn, kaffn (laufen, kaufen).

G, K

1. Wie allgemein in den Tiroler Mundarten üblich, wird bei vielen Worten ein hartes "k" ausgesprochen, ebenso wandelt sich manchmal auch das "g" zu einem "k." Beispiele: kring, krôd (gering, gerade).

2. Die Silbe “ge-“ am Wortanfang wird oft als besonders hartes “k” ausgesprochen und deshalb auch mit “kh” geschrieben-. Beispiel: khåckt (gehackt).

3. Die Sonderform "-gn" wird fast immer als "-ng" gesprochen, es verschmilzt also zu einem Doppelkonsonanten, sodass man die Schreibweise "-gn" belassen kann. Beispiele: wirgn, liagn (würgen, lügen). Ähnlich wie im Italienischen – vgl. Lasagne.


H

Das "h" bleibt gleich wie im Hochdeutschen und wird in der Sainihånser Mundartschreibung auch als Dehnungsfaktor "stummes h" verwendet. Beispiel: Huh, Hosbohn (Hahn, Saubohne).

L

Das "l" wird ebenfalls wie im Hochdeutschen gesprochen, falls es überhaupt gesprochen wird, denn sehr oft wird das "l" einfach eingeschmolzen. Dies geschieht bei folgenden Silben:
bei "-al, -aal, -ahl, -all" Beispiele: Wôid, Sôi, môhin, Bôin (Wald, Saal, mahlen, Ball)
bei: "-el, -eel, -ehl, -ell" Beispiele: Göid, Söi, Möi, schnöi (Geld, Seele, Mehl, schnell)
bei: "-il, -iel, -ill" Beispiele: Muich, vui, wui (Milch, viel, will)
bei: "-ol, -ohl, -oll" Beispiele: Goid, woi, voi (Gold, wohl voll)
bei: "öl, -öll" Beispiele: Oi, Hoi (Öl, Hölle)
bei: "-ul, -uhl, -ull" Beispiel: Stui (Stuhl)
bei: "-ül, ühl, üll" Beispiele: Huisn, Muih, fuihn (Hülse, Mühle, füllen)

Q

Das "q" klingt im Sainihanserischen wie "kw", braucht aber nicht so geschrieben zu werden, denn eine “Kwöin” oder ein “Kwadrat” sind in dieser Schreibweise unannehmbar.

R

Das "r" wird von manchen Sainihånsern zwar vorne gerollt, von den meisten aber kehlig gesprochen. Häufig wird das "r" bei einigen Vokalverbindungen eingeebnet und vor "t,d" und "z" zu "sch" umgewandelt.
bei "-rz" wird der Laut zu "-schz" Beispiele: Méschz, Pfuschz (März, Pfurz)
bei "-erl, -erd" zu "-ea." Beispiel: wean (werden).
bei "-art" zu "-ascht" oder "-åscht" Beispiele: Mascht, Gåschtn (Martin, Garten)
bei "-ert" zu "-escht" Beispiel: féschtig (fertig)
bei "-irt" zu "-iascht" Beispiel: Wiascht (Wirt)
bei "-ort" zu "-ouscht" Beispiel: Wouscht (Wort)
bei "-ört" zu "-äscht" Beispiel: Mäschtl (Mörtel)
bei "-öhrl" zu "-eahl" Beispiel: Reahl (Röhrchen)

V

Das "v" wird oft als "f" ausgesprochen, jedoch gibt es gleich wie im Hochdeutschen auch die Aussprache als "w" Beispiel: “Vasn” (Vase) - das entspricht vielleicht dem Bewusstsein, die ursprünglich lateinische oder französische Herkunft des Wortes nicht zu vertuschen.

W

Das "w" ist im Sainihånserischen oft eine Erweichung des "b." Beispiele: Kaiwè, Weiwè (Kalb, Weib), dennoch ist dieses "w" in seiner Aussprache dem "b" etwas näher als ein reines "w", das sonst auch genau wie im Hochdeutschen gesprochen wird.

X

Das "x" ersetzt häufig den Laut "-chs” oder –“chts" Beispiele: Bix, nix, Haxn (Büchse, nichts, Hachsen). Bei "-gs" wird zwar auch ein "x" gesprochen, jedoch behält man hier die dem hochdeutschen angenäherte Schreibweise bei, da "xund, Xöichts oder xechn" (gesund, Geselchtes, gesehen) doch zu radikal wäre.

Z

Das "z" steht oft für "tz" wenn es im Gegensatz zum Hochdeutschen, einem langen statt einem kurzen Vokal folgt. Beispiele: Baaz, Rooz (Batzen, Rotz).

Sonderzeichen

å – ein dunkles „a“ wie in: Båss, Flåsch (Bass, Flasche).

é – ein geschlossenes „e“ wie bei: schéé, Bétt, (schön, Bett).

ô – ein dem „o“ angenähertes „å“, das im allgemeindeutschen Stammwort immer als „a“ geschrieben wird. Beispiele: Hôwan, Bôscht (Hafer, Bart).

à, è, ì, ò, ù – Nasallaute, die durch einen nach links geneigten Akzent gekennzeichnet werden, während die im allgemeindeutschen Stammwort nachfolgenden Buchstaben „m“ und „n“ nicht geschrieben werden. Beispiele: seì, toà, Krèè (sein, tun, Kren).

è – am Wortende und in Endsilben: ein verschlucktes bzw. dumpfes „i“, das dem „e“ näher kommt als dem „i.“ Beispiele: Épfè, trupfètzn, (Apfel, tropfen).

öi – eine Verschmelzung von „ö-i“ bzw. „e-ü.“ Es handelt sich um eine lautliche Umwandlung der hochdeutschen Silbe „-eld.“ Beispiele: Göid, Föid (Geld, Feld).

Link zur genaueren Erklärung der Laute

Die Merkmale der Sainihånser Mundart


Zur Einordnung des Sainihånserischen


Das Bild rechts zeigt das Verbreitungsgebiet der bairischen Mundarten. Gelb = Nordbairisch, violett = Mittelbairisch, blau = Südbairisch. (Quelle: Wikipedia)

Das Sainihånserische gehört, so wie die Mundarten des Tiroler Unterlandes und auch des Pinzgaues, zu einem Übergangsgebiet zwischen dem südwestlichen Mittelbairischen und dem Südbairischen, wobei es eindeutig dem Mittelbairischen zugeordnet werden muss. In den Ohren Auswärtiger klingt das Sainihånserische wie eine härtere Variante der Mundarten in Oberbayern, mit denen es ansonsten großteils übereinstimmt. Die Infinitive enden nach n-, ng- und m- auf –a, Beispiele: singa, kéma (singen, kommen). Sonst enden sie auf -n, Beispiele: kaffn, schlôffn (kaufen, schlafen).

Die typischen Laute des Sainihånserischen

Allgemeines Kennzeichen für die mittelbairischen Mundarten ist, dass „p, t, k“ abgeschwächt werden zu „b, d, g.“ Der Tag wird zu Dôg, die Petersilie heißt da Bedasui. Allerdings bleibt im Sainihånserischen das „k“ wie im Südbairischen erhalten. Außerdem kann ein auslautendes -n den vorhergehenden Vokal nasalieren und selbst abfallen, Beispiele: davù, schéè, toà (davon, schön, tun).

Ein typisches Merkmal des Sainihånserischen ist das "ui" - Beispiel: "vui z'vui Gfuih" (viel zu viel Gefühl). Das "ui" wird gleich wie in vielen Mundarten Oberbayerns verwendet, während in den meisten österreichischen Gebieten ein "ü" gesprochen wird. (Beispiel: "spielen" heißt im Brixental "schpün" und im Leukental: "schpuin").

Das in Oberbayern auftretende helle, teils nasale „o“ anstatt der hochdeutschen Silben "ab, an" - z.B.: „ofånga“ für anfangen - wird im Sainihånserischen zum "u", also: ùfånga. "Ich kann" wird zu "i kù", "ich habe es getan" heißt: "i hu 's tu." "Der Mann" ist aber nicht "da Mù" sondern da Månn (eigentlich da Loda, denn die Bezeichnung da Månn wird im Sainihånserischen erst seit jüngerer Zeit verwendet).

Ein besonders typisches Merkmal für das Sainihånserische ist, dass das "r" vor "t, d" und "z" konsonantisch aufgelöst und zu "sch" umgewandelt wird. Schwarz wird zu schwôschz, erst wird zu eascht, Durst zu Duuscht, Wirt zu Wiascht, Karte zu Kåscht, fertig zu féschtig ...

Ebenfalls typisch für das Sainihånserische ist, dass das "l" häufig in einen Vokal umgewandelt wird. Beispiele: Geld wird zu Göid, voll wird zu voi, Milch wird zu Muich, Wald wird zu Wôid.

Das für das Tirolerische typische harte „k“ gibt es auch im Sainihånserischen, während das sonst für das Tirolerische so typische Merkmal, die Aussprache von „st“ im Wortinneren oder Wortende als „scht“ („bischt no bei Troscht?") im Sainihånsersichen nicht vorkommt. Das „sp“ wird aber schon als „schp“ gesprochen, wie es im Mittelbairischen weit verbreitet ist. Beispiel: schpuin (spielen).

Das „ei“ ist als Verkleinerungsform typisch für unsere Gegend, wie bei Dianei, Maisei (Mädchen, Mäuschen), es erscheint aber auch oft als „oa“ - heiß wird zu hoaß, Reise wird zu Roas. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, z.B.: bleibt weiß als weiß bestehen, oder auch bei Scheidl (Scheit) bleibt das "ei" erhalten.

Die Verteilung langer und kurzer Vokale fällt oft völlig anders aus als im Allgemeindeutschen, so dass es manchmal scheint, als wäre jedes entsprechende allgemeindeutsche Wort mit Langvokal kurz und umgekehrt – Beispiel: Biss wird zu Biiß, beten wird zu bettn, laufen wird zu laffn, Batzen wird zu Baaz. Dies stimmt jedoch nicht immer, z.B.: passen heißt auch im Sainihånserischen passn.

 

Übrigens: Woher kommt die Bezeichnung "Sainihåns?"

In mittelalterlichen Urkunden findet sich für den Ortsnamen von St. Johann in Tirol die Schreibweise "Sand Johans." Im Laufe der Jahrhunderte tauchen in der Schreibung mehrere Variationen auf. Immerhin wurde bis ins 19. Jahrhundert meist so geschrieben, wie man geredet hat. So änderte sich die Schreibweise von "Sand Johans" auf "Sanjohans." Aus dem "j" wurde schließlich ein "i", und so entstand aus "Saniohans" die heue noch übliche Bezeichnung "Sainihåns."



Erklärungen zu den einzelnen Lauten

Vokale (Selbstlaute) und Vokalverbindungen

A

1. Das helle "a" - das auch gedehnt vorkommen kann. Beispiel: “Ganggal, waar” (Teufelchen, wäre). Es kommt auch als verkümmertes "a" bei Endungen vor. Beispiel: “Schuasta, Weda” (Schuster, Wetter). Sonderfall: es kommt auch als "r"-Ersatz vor. Beispiel: „wer, mir“ - werden als “weª, miª” ausgesprochen.

2. Das nasale "à" wird immer dann gesprochen, wenn dem "a" ein "m" oder "n" folgt, bzw. folgen sollte, aber mundartlich aufgesogen wurde. Beispiel: naà (nein). Analog werden auch im Hochdeutschen Verbindungen von "a" und "m" bzw. "a" und "n" nasaliert. Beispiel: Finanzamt.

3. Das dunkle "a", das sich in der Aussprache dem hellen "o" annähert und mit "å" geschrieben wird. Beispiele: Årwéssn, tschnåchts (Erbsen, abends). Es klingt ähnlich wie der französische Nasallaut „an“ – vgl. Franc [ frã: ] – wird jedoch nicht nasal sondern wie das norwegische „å“ ausgesprochen. Vergleiche auch weiter unten den Buchstaben "ô", welcher sich vom "å" unterscheidet - Beispiele: håscht (hart im Sinne von anstrengend) und Hôôscht (gefrorener Schnee).


AU

Das "-au" wird im Sainihånserischen gleich wie im Hochdeutschen ausgesprochen. Beispiel: auffè, Sau (hinauf, Sau)


ÄUÈ

Die Lautung "-äuè" wird im Sainihånserischen als eine dunklere Form des "-ei" ausgesprochen und ist eine spezifische Abwandlung des hochdeutschen "-au." Beispiele: Mäuè, fäuè (Maul, faul).


E

1. Das reine, offene "e" wie im Hochdeutschen. Beispiele: Weg, Schnee, See.

2. Das dunkle "e", das sich in der Aussprache einem "ä" annähert. Für dieses "e" verwenden wir kein Sonderzeichen, weil es auch im Hochdeutschen so ausgesprochen wird. Beispiel: Schnegg (Schnecke).

3. Das nasale "è" in der tatsächlichen oder unterdrückten Verbindung mit "m" oder "n". Beispiele: scheè, Krè (schön, Kren).

4. das geschlossene "é", das sich in der Aussprache einem “i" annähert. Beispiele: Bétt, Méttn (Bett, Lärm). Ein Beispiel für den Unterschied zwischen dem reinen "e" und dem geschlossenen "é" wäre: schewan (scheppern) und schéwan (kleine Häufchen aus Heu machen).

EA

Die Lautung "-ea" nähert sich in seiner Sainihånserischen Aussprache einer Verbindung von "-äa" an. Beispiel: ameascht (vorher)

EI

1. Analog zum Hochdeutschen steht das "ei" in Wörtern wie weiß, glei (weiß, gleich). Häufig dient es aber auch zur Abwandlung von "eu." Beispiel: heìt, Leit (heute, Leute). Die Abwandlung von "äu" wird mit "ai" geschrieben. Beispiele: Haisa, Maisei (Häuser, Mäuschen).

2. In der nasalen Form wird das "eì" etwas dunkler als das hochdeutsche, reine "ei" ausgesprochen: Beispiele: seì, heìt (sein, heute).

3. Das "-ei" am Wortende ist eine sprachliche Eigenart des östlichen Tiroler Unterlandes und zeigt immer eine Verkleinerungsform an. Beispiele: Dianei, Végei (Mädchen, Vögelchen).

4. Bei manchen Worten wird das "ei" zu "oa", Beispiele: hoaß, i woaß (heiß, ich weiß).

I

1. Das "i" ist wie das schriftdeutsche "i" auszusprechen, auch wenn es oft für “ü” steht. Beispiele: Kiwè, Sindt, miad, Kiah (Kübel, Sünde, müde, Kühe).

2. Das unbetonte "i" am Wortende bzw. in Endsilben wird eher als unbetontes "e" ausgesprochen und deshalb auch als “è” geschrieben. Beispiele: Scheikè, Öifè, trupfètzn (Joppe, Elf Uhr, tropfen).

IA

Die Vokalverbindung "-ia" klingt ähnlich dem hochdeutschen "-ier" wie etwa bei Stier. Beispiele: Wiascht, adiam (Wirt, manchesmal).

O

1. Das reine "o" ist wie das schriftdeutsche "o" auszusprechen. Beispielr: losn, doscht (hören, dort). Das reine "o" kommt auch in der Verbindung mit "i" als "oi" vor. Beispiele: Hoiz. Koihn (Holz. Kohlen).

2. Das helle "o", das eigentlich ein dunkles "a" ist. Es wird im hochdeutschen Stammwort immer mit "a" geschrieben, im Sainihånserischen jedoch fast als „o“ ausgesprochen, sodaß es hier auch als "ô" geschrieben wird. Beispiele: ôschreim, Bôda (abschreiben, Bader). Das „ô“ wird in der internationalen Lautschrift als [ כ:] geschrieben und ungefähr wie das „a“ in der englischen Silbe „-all“ ausgesprochen – vgl. Baseball [ ‘be:sbכ:l ]. Vergleiche auch weiter oben das "å", das als dunkles "a" ausgesprochen wird.

OA

Das helle "o" in Verbindung mit "a" ist oft eine abgewandelte Ausspracheform eines "ei." Beispiele: Oàsa, moana (Einser, meinen). Die Lautung "oa" nähert sich in ihrer Aussprache allerdings einer Verschmelzung von "å" und "a" an. Beispiele: Koasa, alloa (Kaiser, allein).

OI und ÔI

Die Vokalverbindung "-oi" wird einerseits hell ausgesprochen. Beispiele: Bois, Lois (Weile, Alois), andererseits gibt es auch das "-ôi", das etwas dunkler ausgesprochen wird. Beispiele: bôid, amôi (bald, einmal).

ÔU

Das "-ôu" wird als eine Verschmelzung von "a-o-u" ausgesprochen. Beispiele: Bôukirch, gfrôun (Kirchenempore, gefroren).

Ö

Das "ö" kommt im Sainihånserischen nicht in reiner "ö"-Lautung vor, wie etwa im Schriftdeutschen bei schön, Höhe. Es wird zum "e" bzw. “é” abgewandelt. Beispiele: bled, schéé (blöd, schön).

ÖI

Mit der Buchstabenkombination "-öi" wird eine Verschmelzung von "e-ü” und “ö-i" geschrieben. Sie stellt die Wandlung der hochdeutschen Lautung "-eld" dar. Beispiele: Göid, Wöit, Föid (Geld, Welt, Feld). Das „öi“ wird in der internationalen Lautschrift als [œ] geschrieben und klingt ähnlich wie bei der französische Silbe „-euill“ (Einschmelzung des „l“) – vgl. „Feuilleton." – jedoch wird es nicht nasal ausgesprochen.

U

Das "u" wird immer rein ausgesprochen, auch in den Lautverbindungen "-ua" und "-ui." Beispiele: Kuah, vui, Stuih (Kuh, viel, Stuhl).

Ü

Das "ü" klingt stets nach "i." Beispiele: miassn, Nissei (müssen, Nüßchen).

Sainihånser Doppelvokale und ihre Bedeutung:

"aa", Beispiele: Baam, waar entspricht dem hochdeutschen "au, ä" (Baum, wäre)
"ai", Beispiel: Haisa entspricht "äu" (Häuser)
"ea", Beispiele: Ream, eà, greà entspricht "ie, ih, ü, üh" (Riemen, ihm, grün)
"éé", Beispiele: schéé, déé entspricht "ie, ö" (schön, diese)
"ia", Beispiele: Briaf, miad, friah entspricht "ie, ü, üh" (Brief, müde, früh)
"oa", Beispiele: Loab, hoaß entspricht "ai, ei" (Laib, heiß)
"oi", Beispiele: Hoiz, Woin, Toifè entspricht "ol, ohl, oll, eu" (Holz, Wolle, Teufel)
"ôi", Beispiele: Ôim, Wôih, Tôi entspricht "al, ahl, all" (Alm, Wahl Tal)
"ôu", Beispiele: rôut, Brôut entspricht "o" (rot, Brot)
"öi", Beispiele: Göid, Föid, Wöit entspricht "el, ehl, ähl" (Geld, Feld, Welt)
"ua", Beispiele: zua, Fuada entspricht "u, uh" (zu Futter)
"ui", Beispiele: vui, Schui, Muih entspricht "il, iel, ul, uhl, ull, ül, ühl, üll " (viel, Schule, Mühle)

Konsonanten (Mitlaute)

P,B

1. Rein lautlich vertritt das "b" weitgehend das "p", das heißt: im Sainihånserischen wird eigentlich kein hartes "p" ausgesprochen. Ebenso wird auch "pp" weicher, etwa so wie "bb" gesprochen. Da hartes "p" und weiches "b" somit eigentlich gleich ausgesprochen werden, wird hier großteils die schriftdeutsche Schreibung belassen, um eine bessere Lesbarkeit des Wortes zu erreichen.

2. Das "b" wird im Sainihånserischen oft zu einem "w" erweicht. Beispiele: Kaiwè, Weiwè (Kalb, Weib), dennoch ist dieses "w" in seiner Aussprache dem "b" etwas näher als ein reines "w."

BE

Die hochdeutsche Endung "-be" wird in Sainihånserischen stets zu "-am." Beispiel: Gruam (Grube) und die Silbe "-ben" wandelt sich zu "-ôm." Beispiel: hôm (haben).

CH

Das "ch" wird innerhalb eines Wortes härter als auf Hochdeutsch ausgesprochen, am Wortanfang allerdings wird es zum "k." Beispiel: Christkindl. Die Schreibung bleibt gleich wie im Schriftdeutschen.


D,T

Rein lautlich wird im Sainihånserischen das "t" weitgehend vom "d" vertreten. Das heißt: es gibt eigentlich kein echtes hartes "t." Ebenso wird auch das "tt" weicher ausgesprochen, etwa so wie "dd" oder "dt." Die Schreibweise wird deshalb großteils wie im Schriftdeutschen belassen, um eine bessere Lesbarkeit zu erreichen.

F

Das "f" wird gleich wie im Schriftdeutschen verwendet, jedoch wird das einfache "f" bei einigen Wörtern, bei denen der vorhergehende Vokal im Sainihånserischen kurz ausgesprochen wird, als "ff" geschrieben: Beispiele: laffn, kaffn (laufen, kaufen).

G, K

1. Wie allgemein in den Tiroler Mundarten üblich, wird bei vielen Worten ein hartes "k" ausgesprochen, ebenso wandelt sich manchmal auch das "g" zu einem "k." Beispiele: kring, krôd (gering, gerade).

2. Die Silbe “ge-“ am Wortanfang wird oft als besonders hartes “k” ausgesprochen und deshalb auch mit “kh” geschrieben-. Beispiel: khåckt (gehackt).

3. Die Sonderform "-gn" wird fast immer als "-ng" gesprochen, es verschmilzt also zu einem Doppelkonsonanten, sodass man die Schreibweise "-gn" belassen kann. Beispiele: wirgn, liagn (würgen, lügen). Ähnlich wie im Italienischen – vgl. Lasagne.


H

Das "h" bleibt gleich wie im Hochdeutschen und wird in der Sainihånser Mundartschreibung auch als Dehnungsfaktor "stummes h" verwendet. Beispiel: Huh, Hosbohn (Hahn, Saubohne).

L

Das "l" wird ebenfalls wie im Hochdeutschen gesprochen, falls es überhaupt gesprochen wird, denn sehr oft wird das "l" einfach eingeschmolzen. Dies geschieht bei folgenden Silben:
bei "-al, -aal, -ahl, -all" Beispiele: Wôid, Sôi, môhin, Bôin (Wald, Saal, mahlen, Ball)
bei: "-el, -eel, -ehl, -ell" Beispiele: Göid, Söi, Möi, schnöi (Geld, Seele, Mehl, schnell)
bei: "-il, -iel, -ill" Beispiele: Muich, vui, wui (Milch, viel, will)
bei: "-ol, -ohl, -oll" Beispiele: Goid, woi, voi (Gold, wohl voll)
bei: "öl, -öll" Beispiele: Oi, Hoi (Öl, Hölle)
bei: "-ul, -uhl, -ull" Beispiel: Stui (Stuhl)
bei: "-ül, ühl, üll" Beispiele: Huisn, Muih, fuihn (Hülse, Mühle, füllen)

Q

Das "q" klingt im Sainihanserischen wie "kw", braucht aber nicht so geschrieben zu werden, denn eine “Kwöin” oder ein “Kwadrat” sind in dieser Schreibweise unannehmbar.

R

Das "r" wird von manchen Sainihånsern zwar vorne gerollt, von den meisten aber kehlig gesprochen. Häufig wird das "r" bei einigen Vokalverbindungen eingeebnet und vor "t,d" und "z" zu "sch" umgewandelt.
bei "-rz" wird der Laut zu "-schz" Beispiele: Méschz, Pfuschz (März, Pfurz)
bei "-erl, -erd" zu "-ea." Beispiel: wean (werden).
bei "-art" zu "-ascht" oder "-åscht" Beispiele: Mascht, Gåschtn (Martin, Garten)
bei "-ert" zu "-escht" Beispiel: féschtig (fertig)
bei "-irt" zu "-iascht" Beispiel: Wiascht (Wirt)
bei "-ort" zu "-ouscht" Beispiel: Wouscht (Wort)
bei "-ört" zu "-äscht" Beispiel: Mäschtl (Mörtel)
bei "-öhrl" zu "-eahl" Beispiel: Reahl (Röhrchen)

V

Das "v" wird oft als "f" ausgesprochen, jedoch gibt es gleich wie im Hochdeutschen auch die Aussprache als "w" Beispiel: “Vasn” (Vase) - das entspricht vielleicht dem Bewusstsein, die ursprünglich lateinische oder französische Herkunft des Wortes nicht zu vertuschen.

W

Das "w" ist im Sainihånserischen oft eine Erweichung des "b." Beispiele: Kaiwè, Weiwè (Kalb, Weib), dennoch ist dieses "w" in seiner Aussprache dem "b" etwas näher als ein reines "w", das sonst auch genau wie im Hochdeutschen gesprochen wird.

X

Das "x" ersetzt häufig den Laut "-chs” oder –“chts" Beispiele: Bix, nix, Haxn (Büchse, nichts, Hachsen). Bei "-gs" wird zwar auch ein "x" gesprochen, jedoch behält man hier die dem hochdeutschen angenäherte Schreibweise bei, da "xund, Xöichts oder xechn" (gesund, Geselchtes, gesehen) doch zu radikal wäre.

Z

Das "z" steht oft für "tz" wenn es im Gegensatz zum Hochdeutschen, einem langen statt einem kurzen Vokal folgt. Beispiele: Baaz, Rooz (Batzen, Rotz).


Link zur genaueren Erklärung der Laute

Sonderzeichen

å – ein dunkles „a“ wie in: Båss, Flåsch (Bass, Flasche).

é – ein geschlossenes „e“ wie bei: schéé, Bétt, (schön, Bett).

ô – ein dem „o“ angenähertes „å“, das im allgemeindeutschen Stammwort immer als „a“ geschrieben wird. Beispiele: Hôwan, Bôscht (Hafer, Bart).

à, è, ì, ò, ù – Nasallaute, die durch einen nach links geneigten Akzent gekennzeichnet werden, während die im allgemeindeutschen Stammwort nachfolgenden Buchstaben „m“ und „n“ nicht geschrieben werden. Beispiele: seì, toà, Krèè (sein, tun, Kren).

è – am Wortende und in Endsilben: ein verschlucktes bzw. dumpfes „i“, das dem „e“ näher kommt als dem „i.“ Beispiele: Épfè, trupfètzn, (Apfel, tropfen).

öi – eine Verschmelzung von „ö-i“ bzw. „e-ü.“ Es handelt sich um eine lautliche Umwandlung der hochdeutschen Silbe „-eld.“ Beispiele: Göid, Föid (Geld, Feld).